Entstehungsgeschichte der Bibel:

Kurz vor seinem Tod schrieb der Apostel Paulus an seinen Freund Timotheus: "Jede von Gott eingegebene Schrift ist auch nützlich zur Belehrung, zur Widerlegung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit." (2. Timotheus 3, 16). Zu dieser Zeit konnte er damit nur die hebräische Heilige Schrift meinen, eine andere gab es ja noch nicht (Die Christen sprechen vom "Alten Testament", AT).


Es ist anzunehmen, dass weder Paulus noch ein anderer neutestamentlicher Schriftsteller angenommen hat, dass seine Briefe später zur christlichen Heiligen Schrift gerechnet werden könnten.
Bei den Juden herrschte nicht sofort Einigung, welche Schriften zu jenen gehören, die man als von Gott inspiriert anerkennt. Auch bei den Christen dauerte es längere Zeit, bis unter vielen Diskussionen Einigung erzielt wurde, welche Schriften zum Wort Gottes gezählt werden können. Erst gegen Ende des 4. Jahrhunderts legten die Kirchenführer die Textsammlung fest, die man heute als Bibel bezeichnet.


Die römisch katholische Kirche hat dem Alten Testament einige Bücher hinzugefügt, die in der alten griechischen Übersetzung des Alten Testaments (Septuaginta) angeführt waren, die Ostkirchen übernahmen noch einige mehr.


Es handelt sich bei all diesen Büchern um solche, die von verschiedenen Autoren in unterschiedlichen Zeiten geschrieben worden sind, die aber in einem inneren Zusammenhang stehen, es zieht sich quasi ein roter Faden durch alle biblischen Texte. Es geht in allen biblischen Büchern um Gott und seinen Erlösungsplan, um die Art, wie Gott sich an die Menschen wendet, um sie von der Sünde abzuhalten und vor Schaden zu bewahren. Das Streben Gottes, sich den Menschen zu offenbaren und die Menschen zu erretten, zieht sich durch die gesamte Bibel, durch das Alte Testament (das Erste Testament) und das Neues Testament, obwohl Juden und Christen sich in wesentlichen Punkten nicht einig sind (z. B.: Für Juden ist die Bezeichnung Sohn Gottes für Jesus eine Gotteslästerung. Alle Bibelstellen des AT, die die Christen auf Jesus beziehen, interpretieren gläubige Juden anders).


Für das Alte (frühere) Testament war ein Zeitraum von mehr als 1000 Jahren nötig, bis die Kanonisierung abgeschlossen und die Zuordnung zu den biblischen Texten beendet war. Zunächst wurden die Werke der biblischen Schriftsteller und Schreiber sowie von Menschen, die schon vorhandene Texte redigierten, auswendig gelernt, erst nach der Entwicklung der hebräischen Schrift konnte mit der schriftlichen Aufzeichnung begonnen werden.


Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen biblischer Inhalte erfolgten sicher in Mesopotamien in einer Frühform der Keilschrift. Bei dieser Schrift bediente man sich feuchter Tontäfelchen, die nach Aufdruck der Schriftzeichen getrocknet oder gebrannt wurden. Unabhängig von der Keilschrift entwickelten die Ägypter ihre Hieroglyphenschrift. Es gibt auch Hieroglyphen, die Ungegenständliches bezeichnen. So bedeutet ein Kreis, in dem ein kleinerer eingeschrieben ist, Sonne, aber auch Tag. In den Anfängen der Schreibkunst verwendete man eine Vielfalt an Symbolen, daher beherrschten in erster Linie amtliche Schreiber die Kunst des Schreibens . Aus der Zeit um 1200 v. Chr. (schon vor der Ankunft der Phönizier) stammt das früheste Alphabet in Kanaan. Eine von den Phöniziern stammende Sammlung von Texten, die mit dieser frühen Alphabetschrift verfasst wurden (1050 - 850 v. Chr.), ist erhalten geblieben. Deshalb spricht man vom phönizischen Alphabet. Aus diesem phönizischen Alphabet entwickelte sich das hebräische.


Nach der Landnahme adaptierten die Israeliten das phönizische Alphabet für die hebräische Sprache. Das hebräische Alphabet besteht aus 22 Buchstaben, lauter Konsonanten, denn es werden im Hebräischen nur die Konsonanten geschrieben. Die Vokale mussten vom Leser selbst hinzugefügt werden. Das heißt, nur aus dem Zusammenhang konnte man erkennen, um welches Wort es sich handelt. Nehmen wir ein Beispiel aus der deutschen Sprache: Hnd könnte Hund oder Hand bedeuten. Was im vorliegenden Text sinnvoll ist, ergibt sich aus dem Zusammenhang. Erwähnenswert ist noch, dass das Hebräische von rechts nach links geschrieben wird, also ergäbe dies im Hebräischen nicht Hnd sondern dnH.


Mit Ausnahme weniger Kapitel und Verse sind alle Bücher des AT in hebräischer Sprache geschrieben worden. Die Bibel entstand während eines Zeitraumes von nicht ganz 1000 Jahren. Der Vergleich von älteren bis heute erhaltenen Abschriften mit jüngeren zeigt, dass erstaunlich wenige textliche Abweichungen zu beobachten sind. Offensichtlich waren die sprachlichen Veränderungen im Hebräischen während dieses Zeitraumes bedeutend geringer als beispielsweise im deutschen Sprachraum. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Bücher der Heiligen Schrift so sehr verehrt wurden, dass sie sich auf die Sprache auswirkten und die Weiterentwicklung der Sprache bremsten. Es kann auch sein, dass so manches Buch oder wenigstens Buchteile beim Abschreiben in die aktuelle Sprache übertragen wurden. So wurden z. B. in jüngeren Abschriften ältere Ortsnamen öfters durch den Ortsnamen ersetzt, der zu Lebzeiten des Schreibers in Gebrauch war.


Ab dem 5. Jahrhundert vor Chr. setzte sich Aramäisch, die Sprache der persischen Eroberer, durch, Hebräisch wurde eine tote Sprache, die nur noch als Kultsprache und als Sprache der Bibel verwendet wurde. Vom Zeitpunkt an, da diese Sprache zum Alltag keinen Bezug mehr hatte, veränderte sie sich nicht mehr. Bis in unsere Zeit sind nur althebräische Schriften erhalten geblieben.


Antworten von Christen an Muslime:
www.muslimen-antworten.de/haeufige-fragen/bibel/117-evangelien

Die folgenden Angaben sind ein Zitat aus: de.wikipedia.org/wiki/Altes_Testament


Jüdische Bibel: der
Tanach,   setzt sich aus den Anfangsbuchstaben seiner drei Hauptteile zusammen:
Tora (Weisung, Lehre): dazu gehören: der Pentateuch (die fünf Bücher Moses):
o Genesis,
o Exodus,
o Levitikus,
o Numeri,
o Deuteronomium


Nevi'im
oder Nebiim: (Propheten): Zu den Propheten zählt man dort die Bücher:
Josua:
de.wikipedia.org/wiki/Buch_Josua


Richter:
de.wikipedia.org/wiki/Buch_der_Richter


Samuel:
de.wikipedia.org/wiki/1._Buch_Samuel


1. Buch der Koenige:
de.wikipedia.org/wiki/1._Buch_der_K%C3%B6nige


Jesaja:
de.wikipedia.org/wiki/Jesaja


Jeremia:
de.wikipedia.org/wiki/Jeremia


Ezechiel:
de.wikipedia.org/wiki/Ezechiel


die zu einem Buch zusammengefassten 12 "kleinen" Propheten: Hosea , Joel , Amos , Obadja , Jona , Micha , Nahum , Habakuk , Zefanja , Haggai , Sacharja , Maleachi .


Ketubim
(die Schriften):   Zu den Schriften rechnet man:
· Psalmen ,
· Buch der Sprichwörter ,
· Hiob (Ijob),
· Hohes Lied ,
· Rut ,
· Klagelieder Jeremias ,
· Kohelet (Der Prediger Salomo),
· Ester ,
· Daniel ,
· Esra und Nehemia ,
· Chronik .


Der Tanach zählt demnach 24 "Bücher". Er fasst die Bücher Samuels, der Könige, der Chronik, die 12 kleinen Propheten sowie Esra und Nehemia im Gegensatz zur christlichen Einteilung als jeweils ein Buch auf. Er rechnet einige Bücher, die für heutige Historiker Geschichtsbücher sind, zu den Propheten (z.B. Josua, Richter) oder zu den Schriften (Rut, Ester, Esra, Nehemia, Chronik).
Der Tanach bildet die maßgebliche Grundlage des später von den Christen übernommenen "Alten Testaments" und stimmt mit diesem inhaltlich weitgehend überein. Aber Anordnung und Bedeutung der Einzelschriften unterscheiden sich im Judentum und im Christentum: Darum kann der Tanach nicht mit dem Alten Testament gleichgesetzt werden.
Eine chronologische Anordnung, die der historischen Entstehungszeit der Einzelschriften folgt, fiele wiederum ganz anders aus als die beider Religionen. Darin kommt bereits äußerlich zum Ausdruck, dass die biblische Geschichte, obwohl sie viele historische Informationen über den antiken vorderen Orient enthält, nicht in erster Linie als Tatsachenbericht aufgefasst werden will, sondern als "Wort Gottes ".


Einleitung zur Edition der Septuaginta:
www.domus-ecclesiae.de/biblia-sacra/lxx.introductio.html



de.wikipedia.org/wiki/Bibel



Über die Textgeschichte des Ersten (Alten) Testaments steht bei Wikipedia:


Antike Handschriften (de.wikipedia.org/wiki/Handschriften waren Papyrus- (de.wikipedia.org/wiki/Papyrus_(Beschreibstoff) oder Lederrollen (de.wikipedia.org/wiki/Leder ),
die mit ruß- und harzhaltiger Olivenöl-Tinte beschrieben wurden. Eine Rolle konnte wegen der Handhabbarkeit nur begrenzte Inhalte aufnehmen. Die älteste noch erhaltene vollständige Rolle eines biblischen Buches ist die in Qumran (de.wikipedia.org/wiki/Qumran aufgefundene, 7,34 Meter lange Jesajarolle aus Schafsleder, die um 180 v. Chr. entstand. Von weiteren Büchern des Tanach aus dieser Zeit existieren vielfach nur noch Fragmente.


Im 1. Jahrhundert n. Chr. entstand mit dem  Kodex (de.wikipedia.org/wiki/Kodex ) eine Handschriftenform, die auch längere Texte und Zusammenstellungen mehrerer Schriften aufnehmen konnte. Kodices konnten ebenfalls aus Papyrus oder Pergament (de.wikipedia.org/wiki/Pergament ) gefertigt sein. Reste von Papyruskodices mit griechischen alt- und neutestamentlichen Texten stammen aus dem 2. und 3. Jahrhundert: Der älteste existierende Text des NT überhaupt ist der Papyrus P52, ein Kodex-Fragment mit einem Text aus dem Johannesevangelium (de.wikipedia.org/wiki/Johannesevangelium ), entstanden etwa um 125. Neutestamentliche Texte in Rollenform sind bisher nicht gefunden worden.


Der hebräische Tanach war in Teilen bereits seit etwa 250 v. Chr. in  Alexandria (
de.wikipedia.org/wiki/Alexandria )
in die griechische Verkehrssprache, die Koiné (de.wikipedia.org/wiki/Koin%C3%A9 ) übersetzt worden und wurde um 100 n. Chr. abgeschlossen. Die Ausbreitung des Christentums trug entscheidend zur Bewahrung dieser griechischen Bibelübersetzung (de.wikipedia.org/wiki/Bibel%C3%BCbersetzung ), der Septuaginta (de.wikipedia.org/wiki/Septuaginta )
bei. Ihre ältesten vollständigen Texte, die zugleich auch das ganze NT enthalten, sind der Codex Sinaiticus (de.wikipedia.org/wiki/Codex_Sinaiticus )
und der Codex Vaticanus (de.wikipedia.org/wiki/Codex_Vaticanus )
aus dem 4. Jahrhundert, dicht gefolgt vom Codex Alexandrinus (de.wikipedia.org/wiki/Codex_Alexandrinus )
aus dem 5. Jahrhundert. Auf sie geht auch die lateinische Übersetzung des Hieronymus (de.wikipedia.org/wiki/Hieronymus_(Kirchenvater) ) zurück. Dieser bildet seinerseits die Grundlage der Vulgata (de.wikipedia.org/wiki/Vulgata )
als der in der römisch-katholischen Kirche gültigen Bibelübersetzung. Mit der endgültigen Kanonisierung des Tanach um 135 ergab sich die Notwendigkeit einer einheitlichen Fassung und Vokalisierung der hebräischen Konsonantenschrift: (de.wikipedia.org/wiki/Konsonantenschrift )


Damit begann die tausendjährige Arbeit der Masoreten
e.wikipedia.org/wiki/Masoreten


de.wikipedia.org/wiki/Masoretischer_Text


Auf ihrer Textvereinheitlichung beruhen die ersten vollständigen hebräischen Bibelhandschriften des Mittelalters, de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter
allen voran der Codex Petropolitanus e.wikipedia.org/wiki/Codex_Petropolitanus von 1008. Diese hebräische Version des Tanach galt seit der Renaissance e.wikipedia.org/wiki/Renaissance als gemeinsame Urform all seiner späteren Übersetzungen, darunter der des Erasmus von Rotterdam (de.wikipedia.org/wiki/Erasmus_von_Rotterdam ) und damit auch dem Alten Testament der Lutherbibel (de.wikipedia.org/wiki/Lutherbibel ).


Die Auffindung ausrangierter Bibelfragmente in der  Synagoge (
de.wikipedia.org/wiki/Synagoge von Kairo (de.wikipedia.org/wiki/Kairo ) um 1850, vor allem aber die Schriftrollen vom Toten Meer (de.wikipedia.org/wiki/Schriftrollen_vom_Toten_Meer ) (1947 -1956 und 1961) brachte die Annahme eines einheitlichen hebräischen "Urtextes" teilweise zum Einsturz: Vor und nach seiner Kanonisierung existierten mehrere voneinander abweichende Textvarianten des Tanach parallel zueinander, neben der Septuaginta vor allem der Samaritanische Pentateuch (de.wikipedia.org/wiki/Pentateuch ) aus dem 4. Jahrhundert v. Chr.


Die neuen Schriftfunde bestätigten aber auch die große Übereinstimmung der masoretischen Versionen mit den älteren hebräischen Bibeltexten. Diese Disziplin bei der Textüberlieferung geht auf ein Gebot in der Tora selbst zurück: In Dtn 4,2 EU
de.wikipedia.org/wiki/5._Buch_Mose (www.bibleserver.com/index.php ) wird streng untersagt, Gottes Wort etwas hinzuzufügen oder wegzunehmen.
Die Annahme eines Primärtextes hat historische Textkritik jedoch unwiderruflich widerlegt:


Hinter allen bekannten Textfassungen der Bibel und den meisten ihrer Einzelschriften stehen eine Vielzahl von Verfassern und Redaktoren, die an der Überlieferung mitwirkten. Die gemeinsame Version der Masoreten stand erst am Ende, nicht am Anfang dieses Traditionsprozesses.


mitglied.lycos.de/ReisserMichael/studium/kanon.pdf

Die Bibel der römisch-katholischen Kirche:


www.joerg-sieger.de/einleit/allgem/03kan/all33.htm



Das Plenarkonzil von Hippo (393 n. Chr.)


Auf Betreiben von Augustinus, des damaligen Bischofs von Hippo, fand im Jahre 393 n. Chr. in Hippo ein afrikanisches Plenarkonzil statt. Der 36. Kanon dieses Plenarkonzils von Hippo beginnt mit den Worten: "Placuit ut praeter scripturas canonicas nihil in ecclesia legatur sub nomine divinarum Scriptuarum..."
Zu deutsch also: "Es gefiel (der Versammlung), dass außer den kanonischen Schriften nichts in der Kirche gelesen werden soll unter dem Namen Hl. Schriften."
Dann werden alle proto- und deuterokanonischen Schriften des Alten Testamentes als heilige Schriften aufgezählt.


Bücher des AT, die zum jüdischen Kanon gehörten, nennt man die protokanonischen Schriften (von griechisch: protos = erster). Ihre Zugehörigkeit  zum Kanon ist in allen christlichen Glaubensgemeinschaften anerkannt.


de.wikipedia.org/wiki/Deuterokanonisch


Deuterokanonisch (von griechisch: deuteros = zweiter) nennt man bestimmte Schriften des Alten Testaments, welche von der katholischen Kirche, der orthodoxen Kirche, sowie den altorientalischen Kirchen als Bestandteil der Bibel anerkannt werden, also für diese Kirchen als kanonisch gelten, die aber von Juden und Protestanten als apokryph bezeichnet werden ). Das sind:


Judit
Tobit
Baruch
Jesus Sirach
Buch der Weisheit
1. Makkabäer
2. Makkabäer
Zusätze zum Buch Daniel
Zusätze zum Buch Ester


Die deuterokanonischen Bücher werden (um zusätzliche Schriften ergänzt) von den orthodoxen Kirchen als Anaginoskomena bezeichnet. )


Die übrigen Teile der Septuaginta, die sich nicht im jüdischen und protestantischen Kanon befinden (3. Esra, 3. und 4. Makkabäer, das Gebet des Manasses und die Psalmen Salomos), werden dagegen von der katholischen Kirche als apokryph angesehen.

Hieronymus - Vetus testamentum



Das neue Testament besteht aus Geschichtsbüchern (Evangelien und Apostelgeschichte),  Briefen (Apostelbriefe) und ein prophetisches Buch (Offenbarung). Die Bücher des Neuen Testaments wurden in der Zeit um 50 ( Beginn der Paulusbriefe) bis etwa 100 n. Chr. (Offenbarung des Johannes) geschrieben. Dazwischen entstanden alle übrigen neutestamentlichen Schriften.


Mit dem Tod der Apostel war die Ära der mündlichen Überlieferung von Jesus und der Urgemeinde beendet. Die Situation der Menschen nach der Zerstörung Jerusalems (70 n. Chr.) und der Vertreibung der Juden aus ihrem Land brachte die Zerstreuung der Juden unter die anderen Völker. Daher wurde das schriftliche Festhalten der Botschaft Jesu erforderlich. Damals lebte von den Aposteln nur noch Johannes. So wurden die paulinischen Briefe, die ältesten neutestamentlichen Schriften, durch die Evangelien und alle übrigen Schriften ergänzt. Das Johannes-Evangelium ist das einzige von einem Apostel geschriebene Evangelium. Die anderen Evangelien wurden von Apostelschülern geschrieben. Schnell verbreitete sich nach 70 n.Chr. die neutestamentliche Literatur durch viele Handschriften (Abschriften). Wesentlichen Anteil daran hatte der römische Kulturkreis. Das Zeugnis, welches die Autoren der Texte des NT für Jesus ablegten, trug wesentlich zum Erfolg der christlichen Missionsarbeit bei.
Codex sinaiticus: www.codexsinaiticus.org/en/

Kanongeschichte: www.joerg-sieger.de/einleit/nt/07kan/nt97.htm


Inhaltsangabe für diese Seite:


1. Altes Testament und Neues Testament
2. Die Kriterien der Kanonisierung
3. Der Schritt über das Alte Testament hinaus
4. Erste Ansätze
5. Anstöße von außen
a.) Das Petrusevangelium als Beispiel apokrypher Literatur
b.) Markion
6. Der Canon Muratori
7. Die Kirchenväter
a.) Irenus von Lyon
b.) Tertullian
c.) Klemens von Alexandrien
d.) Zusammenfassung
8. Der Abschluss des Kanonisierungsprozesses
a.) Origenes
b.) Eusebius von Caesarea und Athanasius von Alexandrien
c.) Der Westen und die weitere Entwicklung


Kanongeschichte:


Es kam zum Streit über die Auslegung der apostolischen Verkündigung. Daher wurde es zum Gebot der Stunde, eine sichere Bezeugung der Norm anhand schriftlicher Dokumente zu suchen. Die schriftliche Tradition bietet schließlich die sicherere Argumentation als die mündliche Tradition.
Diese Schriften traten natürlich nicht einfach an die Stelle der bisherigen mündlichen Tradition. Sie wurden in dieselbe eingebunden. Sie entstanden in den wichtigsten Kirchenzentren, die sich auf die Autorität der unmittelbaren Succession berufen konnten. So war das Verhältnis von Schrift und Tradition von Anfang an also ein wechselseitiges.


Kriterien für die Unterscheidung der Schriften waren für die frühe Kirche:


1.) die Apostolizität, die unmittelbare Tradition, die in der jeweiligen Schrift zum Ausdruck kam. Hier geht es nicht so sehr um die historische Tatsache, dass der betreffende Text tatsächlich von einem Apostel verfasst worden war. Es ging vielmehr um eine Unterscheidung des Glaubens im Dienst der Bewahrung der Tradition. Apostolisch kann auch etwas sein, wenn es nicht von den Aposteln selbst stammte. Um eine nur apostolische Verfasserschaft ging es bei diesem Kriterium also nicht. Der Inhalt durfte nicht im Gegensatz zur vom Apostel weiter gegebenen Lehre stehen.
2.) Wichtig war auch die Katholizität der Schrift, also die allgemeine Anerkennung als heilige Schrift,
3.) Ein wichtiger Aspekt war die Inspiration, die Überzeugung also, dass in dieser Schrift Gottes Wort zum Tragen kam.


Das Ergebnis dieses Vorgangs lässt sich nicht historisch-kritisch beurteilen. Es gibt keinen ersichtlichen wissenschaftlichen Grund, warum für einen Klemensbrief diese Kriterien etwa nicht zutreffen sollen. Der ganze Vorgang der Kanonisierung ist lediglich im Glauben zu erfassen.


Anstöße von außen setzten den Prozess der Kanonisierung in Gang und beschleunigten  ihn. In der Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. traf der Theologe Markion eine Auswahl von Schriften, die er als allein verbindlich betrachtete. Diese Auswahl war von einer starken Judenfeindlichkeit geprägt. Auch nahm die Produktion von esoterischen und durch die Gnosis geprägten Schriften stark zu. Diese Situation machte es allen klar, dass die baldige Festlegung eines verbindlichen Kanons der Heiligen Schrift dringendst notwendig ist.
Der Canon Muratori: Der Text findet sich unter:
www-user.uni-bremen.de/~wie/texteapo/muratori_einleit.html


Dieser Text zeigt, dass der Prozess der Kanonisierung zu dieser Zeit noch nicht abgeschlossen war.
Das Studium der Texte der Kirchenväter zeigt, dass sich allmählich ein ökumenischer Konsens abzuzeichnen beginnt, doch liegt im 3. Jahrhundert n. Chr. noch kein einheitlicher Bibel-Kanon vor.


www-user.uni-bremen.de/~wie/texteapo/muratori.html


www-user.uni-bremen.de/~wie/nt-apokrypha.html


Beispiele für den Einfluss von Kirchenvätern auf die Kanonisierung:


a.) Origenes


Für Origenes bildet das Neue Testament eine Einheit mit dem Alten (ersten) Testament. Dies ist sehr wichtig. Beide Schriftsammlungen sind für ihn göttlich inspiriert.
Diese Inspirationslehre übernimmt Origenes aus dem jüdischen Glaubensgut.Origenes unterscheidet drei Gruppen von Schriften.
Die "homologoúmena" sind die offiziell und allgemein anerkannten Schriften. Dazu gehören für ihn die vier Evangelien, die Apostelgeschichte, die 14 Paulusbriefe, weiterhin der 1. Petrus- und der 1. Johannesbrief. Die anderen Schriften sind auch bei ihm noch nicht endgültig festgelegt.
Als zweite Klasse nennt er die "amphiballómena",  das sind diejenigen Schriften, über deren Echtheit damals noch diskutiert wurde, z. B. der 2. Petrusbrief.
Und die dritte Klasse waren die "pseud ",  also die von den Häretikern unterschobenen Schriften, wie etwa das Ägypter-, oder Tomas-Evangelium.


b.) Eusebius von Caesarea und Athanasius von Alexandrien
Auch Eusebius von Caesarea kannte diese Drei-Teilung, die er offensichtlich von Origenes übernommen hatte. Zu seiner Zeit liefen im Osten zwei Versionen des Kanons um:
1.) Einmal gab es eine Aufstellung von 26 Büchern bei denen die Offenbarung des     Johannes fehlte.
2.) Zum anderen fand sich ein Verzeichnis von 21 Büchern, eine Aufstellung ohne die Amphiballomena.
Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr. schließlich fand dann der Kanon mit 27 Schriften seine Anerkennung. Er findet sich erstmals vollständig aufgeführt bei Athanasius von Alexandrien in seinem Osterfestbrief von 367 n. Chr.


Eine römische Synode unter Papst Damasus gab 382 n. Chr. siebenundzwanzig Schriften als kanonisch an.
Die Diskussion war mit dieser Synode aber noch nicht abgeschlossen:
In Afrika tagten nämlich in den Jahren 393 n. Chr., 397 n. Chr. und 419 n. Chr. mehrere Synoden mit Augustinus als Teilnehmer, die über die Anerkennung des Hebräerbriefes diskutiert haben.
Auf eine Anfrage des Bischofs von Toulouse im Jahr 406 n. Chr. zählte ihm Papst Innozenz I. alle 27 Schriften, die wir auch heute im Kanon finden, auf. Mit dieser Zeit ist der Prozess der Kanonbildung im Grunde weitgehend abgeschlossen.
Der Kanon der Heiligen Schriften war in der Folge eigentlich kein Gegenstand der Diskussion mehr.


Erst als in der Zeit der Reformation vor allem über den Umfang des Alten Testamentes neue Fragen und Zweifel aufgeworfen wurden, griff die römisch-katholische Kirche die Frage nach dem Kanon noch einmal auf. Er wurde erst am 8. April 1546 auf dem Konzil von Trient endgültig festgelegt
.
Die Rolle, die Papst und Synoden bei der Kanonisierung der Schriften innehatten, kann man aus folgenden Fakten erkennen:


Konzil von Hippo 393 und das von Karthago 397: Beide Konzilsbeschlüsse wurden an den Papst zur Bestätigung geschickt. Dem Papst stand also das letzte Entscheidungsrecht zu.


Dass die Entscheidung über die Zuordnung einzelner Schriften zum verbindlichen Kanon nicht immer leicht fiel, kann man aus dem Umstand erkennen, dass manche trotz des Wunsches vieler nicht aufgenommen wurden (Nicht aufgenommen wurden die damals als inspiriert geltenden Schriften wie der Barnabasbrief, der Hirte des Hermas und Acta Pauli).


Dafür wurden gegen den Widerstand eines Teils der Synodenteilnehmer der 2. Petrusbrief, der Judasbrief und die Offenbarung des Johannes aufgenommen.


Evangelien:


    * Matthäus-Evangelium
    * Markus-Evangelium
    * Lukas-Evangelium
    * Johannes-Evangelium


Apostelgeschichte


Paulusbriefe:


    * Brief an die Römer
    * 1. Brief an die Korinther
    * 2. Brief an die Korinther
    * Brief an die Galater
    * Brief an die Epheser
    * Brief an die Philipper
    * Brief an die Kolosser
    * 1. Brief an die Thessalonicher
    * 2. Brief an die Thessalonicher
    * 1. Brief an Timotheus
    * 2. Brief an Timotheus
    * Brief an Titus
    * Brief an Philemon
    * Brief an die Hebräer


Katholische Briefe:


    * Jakobusbrief
    * 1. Petrusbrief
    * 2. Petrusbrief
    * 1. Johannesbrief
    * 2. Johannesbrief
    * 3. Johannesbrief
    * Judasbrief


Offenbarung des Johannes